aus einem Forenbeitrag von “derKünstler”
Der Begrif “formlos” verwirrt offenbar.
Zunächst hat eine “Form” als Übung nichts mit “Förmlichkeit” im Alltag zu tun.
Gehen wir doch mal vom Kämpfen weg und sehen uns an, was Förmlichkeit und Formlosigkeit im Leben so bedeuten können – und dann wieder zurück zum Kämpfen.
Förmlich kann eine Begrüßung sein, ein Text, ein Brief, eine Anrede, eine Geste, Kleidung, …sprich: alles was auf die eine oder andere Art “genormt” ist, um eine bestimmte “genormte” Reaktion hervorzurufen.
Formlos kann wiederum obiges auch sein: Begrüßung, Text, Brief, Anrede, etc pp .
Im Gegensatz zum Förmlichen ist das Formlose also frei von jeder Norm, ungebunden, nicht vorhersehbar, unberechenbar bis hin zu überraschend.
Förmlichkeit ist eher fest, steif, unveränderlich, traditionell, an Mode gebunden, … während Formlosigkeit mit locker, beweglich, flexibel, zeitlos assoziiert wird.
Bei Kampfkünsten gibt es wiederum “Formen”. Eine Form ist gewissermaßen eine Gestalt, etwas klar definiertes, in diesem Fall mit klaren Anleitungen und Abläufen – eine bestimmte Idee darstellend.
Da man aber nicht mit “Formen” kämpft, sondern mit möglichst effizienter PerFORMance, darf beides nicht miteinander verwechselt werden.
Selbst flach auf dem Boden zu liegen, oder Liegestütze machen, IST eine FORM, also eine festgelegte Übung mit klar bestimmter Idee dahinter. JEDOCH hat dies nicht mit der Umsetzung zu tun.
Ich frage mich:
WESHALB sollte überhaupt jegliche PerFORMance förmlich sein? Ein Idee verfolgend ja, natürlich, aber förmlich? Wie soll das gehen in dem Moment in der Situationen abgehandelt werden, in denen keinerlei Regeln (=Förmlichkeiten) mehr gelten? (=Kampf)
Selbstverständlich muss eine KK IMMER auf Formlosigkeit ausgerichtet sein, wenn Sie sich mit Kämpfen auseinandersetzt und nicht nur reine Tradition darstellt.
Bestes Beispiel die Kendo-Ritualkämpfe … DAS ist förmlich. Sollte so eine KK aussehen, die sich mit dem Leben befasst? 
Alleine schon ANGEWONHEITEN sind eine Förmlichkeit. Und zwar meist unbewusst.
Wenn man sich die alltäglichen Attribute von Formlosigkeit ansieht: “frei von jeder Norm, ungebunden, nicht vorhersehbar, unberechenbar bis hin zu überraschend. – locker, beweglich, flexibel, zeitlos”
Fügt man diesen dann noch “kompromisslos, konsequent etc. ” hinzu, wären das zumindest für mich recht interessante Attribute einer KK.
Formlos ist also- losgelöst von WT – nicht etwa eine “unsaubere Ausführung” oder ein “größerer Spielraum innerhalb von Bewegungsideen”,
sondern schlicht und ergreifend eine Befreiung von allem, was überhaupt obige Definition ausmacht.
Formlosigkeit in KK würde nie in Kategorien denken, sondern einfach das jetzt erforderliche tun – und zwar ohne in die Verlegenheit zu kommen, überhaupt zu kategorisieren.
Letzteres hat in einem Kampf gar nichts verloren. Kategorisieren ist etwas Analytisches und gehört in den Bereich der Medizin und Physiotherapie und SportWISSENSCHAFT – aber NIE in eine reale Umsetzung. Schon gar nicht bei einer Situation, in der per se keine Förmlichkeiten existieren, dem Kampf.
Da KKler meistens einzig und allein im Rahmen von ÜBUNGEN denken (Chi Sao, Sparring, Regelwettkampf – alles Übungsformen mit Formalien) in denen immer Förmlichkeit besteht, setzt der Sprung zu totaler Formlosigkeit in jeglicher Hinsicht voraus, sich das mal aus großer Distanz anzusehen.
Meines Erachtens ist aber genau DAS Ziel von KK.

